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Interview: Robin E. zur Reform

Die PsychThGAusRef wurde am 8.11.2019 vom Bundesrat beschlossen. Die Verbände und Politiker haben ihre Statements abgegeben, doch was denken wir, die Betroffenen?  Auf Facebook habe ich Leute gesucht, die mir in einem Interview ihre Meinung darstellen wollen. Heute ist Robin E. dran. Danke für deine Offenheit!

Quelle: pixabay.com

Würdest du dich bitte kurz vorstellen? Wo befindest du dich in deiner beruflichen Ausbildung, wie sehr hast du dich mit der Reform bisher auseinandergesetzt?

Ich bin Robin und studiere seit 2016. Seit diesem Oktober studiere ich im Masterprogramm und möchte nach meinem Studium die PP-Ausbildung beginnen, da dies seit dem Abitur mein großer Wunsch für meine berufliche Tätigkeit ist. Ich verfolge seit Anfang des Jahres 2019 die Debatte um das neue Gesetz aktiv, da ich von ihm betroffen sein werde.

Inwiefern betrifft dich die Reform?

Für mich wird die Übergangsregelung (§27) greifen; ich werde also die Ausbildung nach altem Recht abschließen dürfen. Ich muss aber darauf vertrauen, dass sich für die privaten Ausbildungsinstitute die PP-Ausbildung wirtschaftlich lohnt und sie nicht frühzeitig allein auf die Ausbildung der Absolvent*innen des neuen Psychotherapiestudiengangs setzen.

Wo siehst du die Vorteile im neuen Gesetz?

Das neue Gesetz ermöglicht einen polyvalenten Bachelorabschluss, bevor man sich dann im Masterstudium auf Psychotherapie spezialisieren muss. Zudem wird das Psychiatriejahr der neuen Studierenden vergütet, was ebenfalls (in abgeschwächter Form) auf die noch momentan Studierenden Anwendung finden wird. Auch wird die Ausbildung zum/zur Psychotherapeut*in unabhängiger von privaten Fortbildungsinstituten.

Siehst du Nachteile in den neuen Beschlüssen?

Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften werden ohne jegliche Sachgrundlage von dem Angebot des neuen Studiengangs ausgeschlossen. Dies widerstrebt dem in den 0er Jahren angestoßenen Bologna-Prozess, der eine zunehmende Gleichwertigkeit zwischen Universitäten und anderen Hochschularten in Bezug auf die Wertigkeit der erworben Abschlüsse anstrebte. Seit zwanzig Jahren sind Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen beruflich aktiv, nirgendwo sind Vorfälle bekannt, die darauf schließen lassen, dass Studierende, die keinen universitären Abschluss haben, schlechter arbeiten als jene, die diesen vorzuweisen haben.

Damit einher geht, dass nicht alle sozialrechtlich anerkannten Psychotherapieverfahren im neuen Studiengang gleichwertig angeboten werden können, da an deutschen Universitäten kaum Vertreter*innen psychodynamischer oder systemischer Therapie lehren; davon würden angehende Therapeut*innen sowie Patient*innen aber ungemein profitieren. Damit verbunden ist ein zunehmender Ökonomisierungsdruck auf angehende Psychotherapeut*innen, die ihre Ausbildung zum einen schneller absolvieren werden und zum anderen hauptsächlich verhaltenstherapeutische Kurzzeittherapien anbieten werden. Zudem wird die Anzahl der Psychotherapeut*innen, die jährlich approbieren, auf 2.500 begrenzt.

Was fehlt dir in der Reform?

Die Berücksichtigung der psychotherapeutischen Versorgung im ländlichen Raum, die durch das neue Studienmodell gefährdet wird und die Achtung vor der Bologna-Reform und tausenden bereits jetzt tätigen und in Ausbildung befindlichen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen.

 

Quelle: pixabay.com

Was ist dein abschließendes Statement zu der Reform?

Eine Reform des Jahres 2020, die die Angleichung des Qualifikationsniveaus der Hochschulabschlüsse negiert, ist bereits vor dem Inkrafttreten überholt.

Was möchtest du noch loswerden?

Ich hoffe auf eine Beteiligung der Linken und/oder der Grünen in der nächsten Bundesregierung und ein baldiges Nachjustieren der Reform.

Vielen Dank, dass du dich unseren Fragen gestellt hast!

 

 

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