
Liebe Elisabeth,
ein herzliches Dankeschön, dass du dieses Interview mit uns machst 😊
Würdest du unseren Lesern bitte kurz sagen, wer du bist und wo man dich in der Berufspolitik antrifft?
Ich bin Sprecherin der PiA-Vertretung NRW (www.pia-nrw.de), außerdem aktives ver.di-Mitglied sowie im Berufsverband der Vertragspsychotherapeuten (www.bvvp.de), im Vorstand des bvvp Westfalen-Lippe, im Jungen Forum und als Vorstandsbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit.

Wow, das ist ganz schön viel! Dann wollen wir mal ans Eingemachte gehen:
1. Was genau ist ein PiA-Stammtisch?
Das frustierendste zu Beginn meiner PiA-Zeit war für mich, keine wirklich verfügbaren AnsprechpartnerInnen zu haben. Ein PiA-Stammtisch soll so einen Kontakt zu potentiellen AnsprechpartnerInnen ermöglichen.
Zu einem regelmäßigen (meist monatlichen) Termin treffen sich PiA und Studierende zu Vernetzung, Austausch und Aktionsplanung – oder um einfach mal Dampf abzulassen. Stammtische sollen einen regelmäßigen, aber sehr offenen Rahmen zur Vernetzung von PiA bieten. Unschlagbarer Vorteil: die Stammtische finden unmittelbar vor meiner Haustür statt. Die Durchschnitts-PiA muss ihre knapp bemessene Freizeit gut planen. Besuche bei berufspolitischen Veranstaltungen, oft verbunden mit weiter Anreise kommt für viele PiA nicht in Frage. Wir möchten lokale Netzwerke aufbauen, um uns gegenseitig zu helfen.
2. Welche Rolle spielt ver.di bei diesen Stammtischen?
Die Kooperation mit ver.di ist auf zwei verschiedenen Wegen entstanden. Vorbild war für uns das PiA-Bündnis Köln (Link zur FB Seite). Hier entstand eine enge Kooperation mit ver.di auf lokaler Ebene. Den PiA wurden Räumlichkeiten und gewerkschaftliches Know-How zur Verfügung gestellt, ein gut besuchter Infotag wurde organisiert. Hier hat sich eine extrem gute lokale Vernetzung aufgebaut.
Auf Landesebene hatte ich den Kontakt über die PiA-Vertretung NRW zu ver.di gesucht. Nach hartnäckigem Nachfragen hatten wir das Glück, dass uns ein wirklich toller Gewerkschaftssekretär als Ansprechpartner zur Verfügung stand.
Seitdem konnten wir Stammtische in drei weiteren Städten aufbauen und die erste Landesweite PiA-NRW-Konferenz gemeinsam mit ver.di organisieren .
3. Werden solche Stammtische nach der Reform weiterhin benötigt werden?
Ich denke schon, denn die prekäre Situation der PiA wird nicht vollkommen beendet werden, auch die PiW werden nach gegenwärtigem Stand mit Ausbeutung konfrontiert werden. Wir glauben daran, dass Solidarität und Information flächendeckend helfen kann, sich direkt vor Ort in den Kliniken zur Wehr zu setzen.
Dabei soll es gar nicht darum gehen, dass Einzelpersonen eine Revolution vollbringen. Aber durch viele kleine Forderungen und Veränderungen kann man die Situation bereits jetzt in zahlreichen Kliniken verbessern. Wir möchten PiA vor allem praktische Informationen zur Verfügung stellen, in regelmäßigen Abständen stellen wir spannende Themen für PiA bereit. Wir bereiten Themen wie Versicherungsstatus während der Ausbildung auf, laden Experten ein und versuchen Hilfestellung zu geben.

4. Woher weiß ich, ob es in meiner Nähe bereits einen Stammtisch gibt?
Aktuell gibt es bundesweit einige PiA-Stammtische, die vor allem auf Facebook zu finden sind. In Nordrhein-Westfalen gibt es aktuell Stammtische in den Städten Bielefeld, Dortmund, Münster, und Köln. Die OrganisatorInnen dieser vier Stammtische sind untereinander und mit ver.di vernetzt.
Stammtischtermine findet man auf der Facebookseite der PiA-Vertretung NRW (link) oder man schreibt uns direkt eine Email an pia.vertretung.nrw@gmail.com.
5. Wie hast du deinen PiA-Stammtisch damals gegründet? Und was würdest du jemandem raten, der heute einen gründen möchte?
Das PiA-Bündnis Köln hatte mich als Vortragende zu ihrem Infotag eingeladen, sie sind unser Paradebeispiel für lokale Vernetzung.
Das Stammtischkonzept habe ich mit bekannten aktiven PiA in den verschiedenen Städten übernommen. Wichtig ist ein zentraler Standort, ein gut machbarer Termin und effektive Bewerbung der Veranstaltung.
Wir helfen natürlich gerne, wenn jemand den Wunsch hat, einen Stammtisch auf die Beine zu stellen. Allein in NRW sind Städte wie Düsseldorf noch „unbesetzt“, wer Lust hat, das mit uns zu ändern wird tatkräftig unterstützt werden.