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Eine kleine Hausarbeit von 2016: Das PsychThG und die wichtigsten Punkte dazu

Folgende Hausarbeit habe ich im Rahmen meines MA-Studiums 2016 verfasst. Ich veröffentliche die Arbeit an dieser Stelle, um euch einen Einblick in das “alte” PsychThG und dessen Bedeutung zu geben.

Das Psychotherapeutengesetzt (PsychThG) wurde am 16. Juni 1998 erlassen (BGBl. I, S. 1311) und befindet sich seitdem in der Umsetzung. In den letzten 17 Jahren wurden einige Änderungen und Ergänzungen daran vorgenommen (BGBl. I S. 886, 890) doch im Grundsatz wurde es nicht mehr verändert. Zum Zeitpunkt der Umsetzung bildete das PsychThG einen Meilenstein in der Geschichte der Berufsgruppe der Psychotherapeuten (Nübling, 2009). Erstmals wurde gesetzlich festgehalten, welche Voraussetzungen zur Ausübung des Berufes qualifizieren und auch die Berufsbezeichnungen des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendpsychotherapeuten wurden erstmalig im Gesetzestext verankert. Auch die Approbation wurde neu eingeführt (Nübling, 2009). Diese Arbeit soll einen Überblick über die wichtigsten Inhalte des Gesetzestextes für angehende und approbierte psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten geben. Im Speziellen sollen die wichtigsten Errungenschaften, die durch dieses Gesetz erreicht wurden, aufgezeigt werden. Dabei wird auf mögliche Aspekte eingehen, die im Zuge der aktuell verhandelten Reform der Ausbildungssituation besonders berücksichtigt und angepasst werden sollten.

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Aufbau und Inhalte des PsychThG

Das PsychThG (BGBl. I S. 886 – 890) besteht aus 12 Paragraphen, welche verschiedenste Aspekte der Ausbildung und Ausübung der Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendpsychotherapeuten regeln. Auf diese soll im Folgenden näher eingegangen werden.

Definition

Paragraph §1 „Berufsausübung“ des PsychThG definiert die zwei Heilberufe Psychologischer Psychotherapeut und Kinder- und Jugendpsychotherapeut und sichert ihnen die Erstzugangsrechte für Patienten. Damit werden die Berufsbezeichnungen „Psychotherapeut“ und „Psychotherapeutin“ rechtlich geschützt. Besonders zu beachten ist die Festlegung der Kinder- und Jugendpsychotherapie auf ein maximales Alter von 21 Jahren mit wenigen Ausnahmen. Im selben Paragraphen wird Psychotherapie als „mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist“ (BGBl. I S. 886) definiert. Eine somatische Abklärung wird dabei vorausgesetzt und zeitgleich die psychotherapeutische Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder Sonstiges außerhalb der Heilkunde ausgeschlossen.

Approbation

Im zweiten und dritten Paragraphen werden die Zugangsvoraussetzungen, Rücknahme, Widerruf, Verzicht und Ruhen der Approbation definiert. Dabei wird ausführlich auf Personen mit einem ausländischem Psychologie- oder gleichwertigem Abschluss eingegangen. Für deutsche Absolventen besonders relevant ist Abschnitt 1, da dieser die Voraussetzungen für den Antrag auf Approbation nennt. Hierfür müssen die Ausbildung und die staatliche Prüfung bestanden sein, es dürfen sich keine Hinweise auf Unwürdigkeit oder Unzuverlässigkeit zur Ausübung des Berufs durch Verhalten ergeben, die Ausübung des Berufes muss aus gesundheitlicher Sicht möglich sein und es müssen ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache vorhanden sein. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so kann ein Antrag auf Ausstellung der Approbation gestellt werden.

Der Paragraph §4 „Erlaubnis“ beschäftigt sich mit befristeten Erlaubnissen zur Berufsausübung, welche hier aufgrund der mangelnden Relevanz für deutsche Psychologiestudenten nicht näher erläutert werden sollen.

Zugangsvoraussetzungen

In den folgenden beiden Paragraphen §5 und §6 („Ausbildung und staatliche Prüfung“ und „Ausbildungsstätten“) werden die Zugangsvoraussetzungen, Umstände und Staatsprüfungen der Ausbildung erläutert. An dieser Stelle ist festgelegt, dass die Vollzeitausbildung drei und die Teilzeitausbildung fünf Jahre dauern müssen. Um die Ausbildung antreten zu dürfen wird ein Diplom oder gleichwertiger Abschluss in Psychologie (für Kinder- und Jugendpsychotherapie auch Pädagogik oder Sozialpädagogik möglich) verlangt, in dem das Fach Klinische Psychologie behandelt wurde. Der Umfang und die Art der theoretischen und praktischen Ausbildung und die Gewährleistung der praktischen Tätigkeit durch die Ausbildungsstätten ist ebenfalls hier festgelegt. In diesem Zusammenhang ist der Paragraph §8 „Ermächtigung zum Erlaß von Rechtsverordnungen“ zu beachten, der den Umfang und die Art der Ausbildungsabschnitte und die staatliche Prüfung nochmals wie folgt spezifisch festlegt: Die Ausbildung besteht aus mindestens 1800 Stunden praktischer Tätigkeit (aufgeteilt in mind. 1200 Stunden an einer psychiatrischen Klinik und mind. 600 Stunden an einer vom Sozialversicherungsträger anerkannten Einrichtung), 600 Stunden theoretischer Ausbildung und mindestens 600 Stunden praktischer Ausbildung, in welcher mindestens 6 Patienten behandelt werden müssen, und sie muss auf einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren beruhen.

Sonstiges

Weniger relevant und damit in dieser Arbeit nicht näher erläutert sind die Paragraphen §7 („Ausschluß der Geltung des Berufsbildungsgesetzes“), §9 („Gebührenordnung bei Privatbehandlung“), §10 („Zuständigkeiten“) und §11 („Wissenschaftliche Anerkennung“).

Der letzte Paragraph (§12 „Übergangsvorschriften“) bezieht sich auf die 1998 benötigte Übergangsregelung und ist für heutige Studenten daher nicht mehr relevant. Jedoch bietet dieser Paragraph einen Entwurf und eine Grundlage für möglichweise bald kommende Übergangsregelungen, weshalb er bei einer Gesetzesrecherche nicht völlig außer Acht gelassen werden sollte.

Errungenschaften durch das PsychThG

Durch das PsychThG hat der Gesetzgeber zwei neue Heilberufe mit Erstzugangsrecht für Patienten geschaffen: den Psychologischen Psychotherapeuten und den Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Hierdurch wurden diese Berufsbezeichnungen erstmals geschützt und die Berufsgruppe als solche konnte sich gegenüber von Medizinern etablieren ohne mit Heilpraktikern gleichgesetzt zu werden. Auch die politische Etablierung der Berufsgruppe wurde durch das PsychThG stark begünstigt. (Nübling, 2009, Zurhorst, 2000)

Erst ab der Einführung des PsychThG durften in Deutschland ausgebildete Psychotherapeuten im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung neben Ärzten Psychotherapie formal abrechnen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Diplompsychologen nach dem Heilpraktiker-Gesetz nur durch Delegation eines Arztes therapeutisch praktizieren. Dabei trug jedoch immer der Arzt die therapeutische Verantwortung, durfte Abrechnen und erhielt dadurch eine Gewinnbeteiligung (Zurhorst, 2000). Somit ist es dem PsychThG zu verdanken, dass ausgebildete Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten mit einem Psychologie-, Pädagogik oder Sozialpädagogikstudium direkt mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen dürfen (Nübling, 2009, Zurhorst, 2000).

Änderungspotential

Das PsychThG hat vieles für die Berufsgruppe geschaffen doch es sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass dieses Grundgerüst fast 20 Jahre alt ist. Daher soll im kommenden Abschnitt auf mögliche Änderungen eingegangen werden, die im Zuge der durch die aktuelle Regierungskoalition versprochenen Gesetzesreform (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT, 2013) möglich wären.

Direktstudium

Da von vielen Seiten ein Direktstudium der Psychotherapie und eine Reform der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten / Kinder- und Jugendpsychotherapeuten gefordert wird (Deutsche Gesellschaft für Psychologie 2014, Unith – Universitäre Ausbildung für Psychotherapie, 2015) und dies wahrscheinlich auch umgesetzt wird, muss das PsychThG dem angepasst werden. Grundidee des Direktstudiums ist es, dass die Approbation bereits mit Abschluss des Studiums erreicht wird und die anschließende Ausbildung dem Erreichen der Fachkunde dient (vgl. Mediziner-/Apothekerausbildung). Somit müssten alle Absätze zu Zugangsvoraussetzungen, Ausbildung und Approbation abgeändert werden.

Zugangsberechtigung zur Ausbildung

Sollte sich das Direktstudium wider Erwarten nicht durchsetzen, so müssen die Zugangsbedingungen dennoch angepasst werden, da der Diplomstudiengang inzwischen durch das Bachelor- Mastersystem abgelöst wurde. Diese neuen Abschlüsse sind bisher jedoch für Psychotherapeuten nicht offiziell in das PsychThG eingearbeitet worden, so dass jeder nicht-diplomierte Psychologieabsolvent formal einzeln für eine Zulassung zur Ausbildung geprüft werden muss.

PP vs. KJP

Des Weiteren werden im Rahmen der Verhandlungen um die Reform der Psychotherapeutenausbildung die Unterscheidung der Ausbildungen zum psychotherapeutischem Psychologen und zum Kinder- und Jungendpsychotherapeuten und deren jeweilige Zugangsvoraussetzungen diskutiert. Es ist die Forderung gestellt worden, dass beide Berufsausbildungen nur Absolventen des Studiengangs Psychologie (evtl. des Direktstudiengangs Psychotherapie) zugänglich sein sollten (PsyStudents, 2013, Unith, 2015). Somit würden Pädagogen und Sozialpädagogen die bisher erlaubte Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten verwehrt werden. Zudem steht die Überlegung im Raum, die Erwachsenenpsychotherapie der Kinder- und Jugendpsychotherapie vice versa anzupassen, sodass die Schwerpunktsetzung nicht mehr die Ausbildungsart bestimmen würde. Momentan können psychologische Therapeuten durch eine Weiterbildung die jüngere Zielgruppe erreichen und therapieren. Andersherum jedoch müssen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten um Erwachsene therapieren zu dürfen die Ausbildung zum psychologischen Therapeuten vollständig zusätzlich absolvieren. Diese unterschiedliche Gewichtung der zwei Ausbildungen durch Zugangsvoraussetzungen und Weiterbildungsmaßnahmen soll durch die Reform möglicherweise ausgeglichen werden, was wiederum im PsychThG festgehalten werden müsste.

Gleichstellung mit Ärzten

Weiterhin steht die Forderung im Raum approbierte Psychotherapeuten finanziell und rechtlich Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie gleichzustellen (Corman-Bergau & Pichler 2016, PsyStudents e.V., 2015). Konkret bedeutet dies, dass nach dem Studium durch ein Staatsexamen die Approbation erteilt werden soll. Dies könnte mit einer Änderung des PsychThG einhergehen, welche die Erlaubnis zur Ausstellung von Attesten und Medikamentenrezepten erteilt. Auch die Ausbildungsinhalte müssten dementsprechend angepasst werden. Der Anpassungsaspekt ist besonders im finanziellen Aspekt wichtig, da durch eine Angleichung an die medizinische Ausbildung mit sofortiger Approbation eine tarifliche Bezahlung der Psychotherapeuten in Ausbildung bundesweit gesichert wäre.

Unabhängig des genauen Inhaltes der durch die regierende Koalition versprochenen Reform des PsychThG und der Ausbildung (DGVT, 2013) muss eine für alle akzeptable Übergangsregelung gefunden werden, welche im PsychThG (ähnlich §12 des PsychThG) festgehalten wird.

Fazit

Es lässt sich nicht bestreiten, dass das PsychThG einen enorm wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten darstellt. Das Etablieren des Berufsstandes und die dadurch entstehende Unabhängigkeit von Ärzten hat die Psychotherapeuten zu dem gemacht, was sie heute sind. Allerdings erfüllt das PsychThG, wie in dieser Arbeit herausgearbeitet wurde, nicht mehr die Anforderungen die durch die aktuellen Gegebenheiten entstehen. Neben der Frage nach der Master-Diplom Äquivalenz und der kommenden Ausbildungsreform ist die größte Forderung die nach der Anpassung an medizinische Ausbildungsverhältnisse und damit einhergehende finanzielle Absicherung während der Ausbildungszeit. Weiterhin sollte jeder Interessierte und Betroffene sich intensiv mit dem Gesetz auseinandersetzen. Denn nur dadurch werden zum einen die Vorzüge als auch die Mängel deutlich, welche aktuell für so starke Diskussionen sorgen, und zum anderen ist auch nur so eine politische Stellungnahme möglich.

Literaturverzeichnis

Bundesgesetzblatt (BGBl.), aufgerufen über Bundesanzeiger Verlag GmbH: http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&start=//*%255B@attr_id=’bgbl198s1311.pdf’%255D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl198s1311.pdf%27%5D__1465420204896
[11.06.2016].

Corman-Bergau, G., & Pichler, A. (2016). „Wir wollen Weiterentwicklung, aber Bewährtes und Wertvolles nicht gefährden“. Psychotherapeutenjournal (1), 49-56.

Deutsche Gesellschaft für Psychologie. (2014). Struktur Direktstudium Psychotherapie, Version 2. Über https://www.dgps.de/uploads/media/DGPs_Strukturkonzept_Direktstudium_Vorschlag.pdf [11.06.2016].

Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie. (2013). Die wichtigsten Inhalte des Koalitionsvertrages aus psychotherapeutischer und gesundheitspolitischer Perspektive. Über http://www.dgvt.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Koalitionsvertrag_aus_DGVT-_und_DGVT-BV-Perspektive.pdf [11.06.2016].

Nübling, R. (2009). Verankerung und Veränderung der psychotherapeutischen Versorgung seit dem Psychotherapeutengesetz–aktueller Stand und Ausblick. Psychotherapeutenjournal, 8(3), 239-252.

PsyStudents e.V. (2015). Reform der Psychotherapie-Ausbildung – Überblick, Rückblick, Ausblick. Über http://www.psystudents.org/fertig-was-nun/pia-psychotherapie-und-ausbildung/reform-der-psychotherapie-ausbildung-ueberblick-rueckblick-ausblick/ [11.06.2016].

Unith-Universitäre Ausbildung für Psychotherapie (2015). Projekt „Transition“ der Bundespsychotherapeutenkammer. Stellungnahme zum Fragekatalog. Über http://www.unith.de/fileadmin/documents/unith-Antwort_Fragenkatalog_BPtK-2015-03-20.pdf [11.06.2016].

Zurhorst, G. (2000). Nach zwei Jahren Psychotherapeutengesetz: In Kürze vor dem berufspolitischen Scherbenhaufen? Journal für Psychologie, 8(4), 17-26.

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