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16. PiA-Politik-Treffen

Wart ihr beim 16. PPT? Wie angekündigt, war dort eine super Gelegenheit, um den aktuellen Stand der Berufspolitik, insbesondere den der Reform, zu überblicken. Heute möchte ich euch einen kurzen Überblick geben, was dort alles angesprochen wurde und wie die allgemeine Stimmung war.

Frische Infos zur Reform

Die lieben Katharina van Bronswijk und Katharina Simons haben sich für das PPT die Mühe gemacht und die drei Tage zuvor verabschiedete Reform in ihren wichtigsten Punkten zusammengefasst. Leider habe ich diesen Vortrag aufgrund von zwei Stunden Bahnverspätung verpasst. Die sehr guten Folien zu diesem Vortrag findet ihr auf der Seite des PPTs. Es lohnt sich, falls ihr noch gar nicht so richtig wisst, was im Bundestag besprochen und beschlossen wurde.

Wie positionieren sich die PiAs zur Reform?

Neben der reinen Information, was uns vom Bundestag so vorgelegt wird, stellt sich eine weitere sehr wichtige Frage: Wie stehen wir eigentlich dazu? Der PPT, die BuKo und die PsyFako sind im Laufe des Reformprozesses immer mehr in die Zusammenarbeit gekommen und haben jetzt beschlossen, eine gemeinsame, abschließende Stellungnahme dazu zu veröffentlicht. Damit das geschehen kann wurde ein Stimmungsbild parallel zur sehr angeregten Diskussion erhoben. Der Tenor war in etwa: “Die Reform ist ein guter Schritt, jedoch nicht ausreichend – einige Punkte sind noch offen!”

Die BPtK aka Möglichkeiten manche Dinge noch zu ändern

Nach den ganzen Vorträgen war die Stimmung eher geschlagen. Die Reform ist letztlich so beschlossen, wir können nichts mehr groß ändern. Warum noch weiter kämpfen? Haben wir nicht schon verloren? (Bitte entschuldigt den dramatischen Unterton, ganz so schlimm war es vermutlich nicht 😉) Da kam Frau Dr. Andrea Benecke, die Vizepräsdentin der BPtK, und gab uns wieder Hoffnung:

Sehr oft wird im Gesetz auf die sogenannte Musterweiterbildungsordnung (MWBO) verwiesen. Diese dient als Vorlage für die Landes-WBOs. Ein eigener Artikel zu dem Thema steht bereits in den Startlöchern. Zusammengefasst würde ich sagen: In den nächsten 2 Jahren wird diese MWBO durch viele Experten (nicht nur Politiker 😉) erstellt. Diese Ordnung wird darüber entscheiden, wie unsere Berufsgruppe sich in Zukunft definieren wird, welche Gebiete und Bereiche es geben wird und vieles mehr. Wir bleiben also gespannt. Wichtig ist, dass diese MWBO in Arbeitsgruppen erstellt wird. Mal schauen, wie viel und wie häufig sie durchsickern lassen, was der aktuelle Stand der Dinge ist.

Quelle: pixabay.com

Institute müssen kämpfen

Mein Highlight des Tages: Der Vortrag von Armin Lux, Vorstandsmitglied der AVM,  bezüglich der Konsequenzen der Reform für die Institute. Neben der tollen, anschaulichen Vortragsart des Dozierenden war seine Argumentation nicht von der Hand zu weisen:

Wenn wir ins Zukunft während der ambulanten Tätigkeit ein tarifähnliches Einkommen haben wollen und zeitgleich aber laut Gesetz nur 40% der EBM ausgezahlt bekommen, dann müssen wir in etwa 32 Patienten pro Woche sehen. Davon finanziert müssen bekanntlich noch die Supervisions- und weitere Ausbildungskosten werden. Zeitlich müsste man bei 32 Patienten die Woche noch 8 Supervisionsstunden nehmen.

Zu dieser 40h-Woche kommen noch Vor- und Nachbereitung (30 Minuten pro Patient macht 16 Stunden) und Theorieseminare (an meinem Institute 20 Stunden am Wochenende). Insgesamt wären wir also grob geschätzt bei einer 76 Stunden Woche. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass die PiWs das zeitlich tatsächlich ohne sofortiges Burnout schaffen, bleibt noch eine weitere Frage: Woher werden pro Weiterbildungsteilnehmer 32 Patienten pro Woche hergezaubert? Die AWM hat aktuell ca. 840 Ausbildungsteilnehmer. Sagen wir, dass die Hälfte (420, Achtung: fiktive Zahl!) davon aktuell ambulant arbeiten möchte. Dann bräuchten alleine die AWM-Institute 13.440 Patienten pro Woche. Und als dritter Punkt besteht zudem noch die Frage, wie die Institute sich in Zukunft finanzieren können.

Zusammengefasst: Wenn wir tarifähnliche Vergütung in der Ambulanzzeit haben wollen, dann müssen wir uns einen Zeitumkehrer von Hermine kaufen, den Großteil der Bevölkerung psychisch krank machen und die Institute irgendwie am Leben erhalten. Was sind die Konseqenzen? Armin Lux konnte uns das nicht sagen. Persönlich schätze ich, dass viele Institute sich finanziell nicht werden halten können, gerade die Institute außerhalb von Ballungsgebieten. Die tarifähnliche Vergütung wird vermutlich auch ein Traum bleiben. Und die Erhaltung der bekannten Institute vielleicht auch?

Partner und Kooperationen des PPTs

Zum Einstieg in die Berufspolitik haben sich die Partner des PPTs vorgestellt: Die BuKo, vorgestellt durch Maggie Leidl, die PsyFaKo, und ver.di, vorgestellt durch Kerstin Sude. Zudem wurde beschlossen, dass der PPT die Stellungnahme von Psychologists for Future unterzeichnen soll. Für die Erklärung der anderen berufspolitischen Player wurde wieder das super informative Infoblatt zum Einstieg in die Berufspolitik von Katharina Simons ausgeteilt.

Quelle: pixabay.com

Workshops und Feedbackrunde

Damit neben der Vorträge auch direkt in den Austausch und die aktive Mitarbeit gewechselt werden konnte, haben wir nach der Mittagspause Workshops zu folgenden Theme gebildet:

  • KJP nach der Reform
  • Stellungnahme
  • Psychotherapie in der Psychiatrie (PsychPV)

Daraus haben sich teilweise Arbeitsgruppen gebildet, die auch bis zum nächsten PPT bestehen bleiben wollen. Eine Zusammenfassung ist schwer zu geben, da ich natürlich nur in einer Gruppe war. Zu den Themen werden wir sicherlich im März beim 17. PPT noch mehr hören. Zum Ende hin stellte sich das PPT-Orgateam noch der Feedbackrunde, die sehr positiv ausfiel (kein Wunder 😊).

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