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Aller Anfang ist schwer

Lange lange war es hier sehr still, Barbara und ich hatten in den letzten Monaten viel um die Ohren, viele äußere Umstände haben sich geändert.

Bei mir geht es jetzt los mit den ambulanten Patientenbehandlungen: Die Suche nach Supervisoren, der Start der Selbsterfahrung, die Organisation von Patienten – das alles kostet Kraft, Zeit, Nerven. Und vor allem kostet es Überwindung.

Quelle: pixabay.com

 

Und so ähnlich wie bei dieser Schnecke fühlt sich der gesamte Weg in die ambulanten Behandlungen auch an. Nach einem Höhenflug  zu Beginn kommt ein Loch in das man fällt. Zumindest ist dies bei mir gerade der Fall. Ich hab zwar 2 Supervisoren gewinnen können, eine  gute Selbsterfahrungsleiterin, ich darf die Fälle in meinem Büro in der Klinik sehen und muss deswegen keine Miete zahlen, kann nebenbei in Teilzeit weiterarbeiten  und bin finanziell abgesichert – und dennoch steht man irgendwie “alleine” da.

 

Abrechnungsprogramm

Damit fing das “Drama” eigentlich an. Ich habe mir ein iPad gekauft, um damit die wichtigsten Dokumentationen zu machen, da ich dafür nicht meinen privaten Rechner gebrauchen möchte. Kurze Zeit später (ungefähr eine Woche -.- ) hab ich erfahren, dass das Abrechnungsprogramm vom Institut einen Windows-Laptop fordert. Das iPad ist damit schon mal vom falschen Hersteller – und man kann auf ihm ohnehin keine “normalen” Programme installieren (geschweige denn ein Kartenlesegerät anschließen). Soweit hätte man im Vorfeld natürlich auch denken können. Mail ans Institut: Hilfe!! Was tun?! Erste Antowort: Joa, neuer Laptop wäre hilfreich. Nach vielen Mails hin und her und Kontaktaufnahme zum Support-Service des Programmes stand dann fest: Ok, ich kann mir einen Laptop vom Institut leihen. Keine Optimallösung, aber immerhin.

Manche Probleme lösen sich aber zum Glück von selbst: Einen Tag bevor ich das entsprechende Seminar zur Programminstallation hatte, hat sich mein Freund einen neuen Laptop gekauft und ich darf ihn mitbenutzen. Zu dem Programm hat er natürlich keinen Zugang (Datenschutz und so…).

Patientensuche

Man sollte denken, dass dies nicht unbedingt der schwierigste Aspekt ist. Schließlich gibt es viele Patienten, die Wartezeiten bei ambulanten Therapeuten werden immer länger. Also wo ist das Problem?!

Aufgrund der Entfernung zum Institut kann ich nicht auf die entsprechende Warteliste der Institutsambulanz zurückgreifen. Also: Wie organisiere ich mir Patienten? Normalerweise läuft das dann über die Lehrpraxis oder die Supervisoren – allerdings habe ich weder ersteres, noch verfügen meine Supervisoren über eigene Praxen.  Was nun? Kann ich echt schon Visitenkarten drucken, diese an Ärtze und Therapeuten verteilen, um an Patienten zu gelangen? Es hat seeeeehr lange gedauert, bis ich es gewagt habe, mich für diesen Schritt zu entscheiden und mir selbst Visitenkarten zu gestalten. Dieser Prozess hat ebenfalls nochmal viel Zeit in Anspruch genommen. Nicht, weil ich eine Meisterin der Prokrastination bin, sondern einfach von unfassbarer Unsicherheit begleitet wurde, ob das alles so läuft und funktioniert, wie ich mir das vorstelle – und ob ich das als “M.Sc. Psychologin” überhaupt schon darf. Zwischen den fertigen Visitenkarten und “Ich rufe jetzt mal bei Therapeuten an” lag nun ebenfalls nochmal ein recht langer Zeitraum.

Aber nun ist es soweit: Die ersten beiden Patiententermine stehen!

(Meine Visitenkarten wollte bisher übigens niemand sehen..)

 

Next Step: Wurden alle Formalitäten eingehalten?

Formalitäten nerven ja in allen Branchen. Trotz zunehmender Digitalisierung wird der Papierkram, den man zu erledigen hat, gefühlt immer mehr. Ist bei den ambulanten Behandlungen auch nicht anders. Jeder Patient, der zu mir kommt, MUSS im Vorfeld bei einem approbierten Kollegen eine Sprechstunde durchgeführt haben, damit Suizidalität ausgeschlossen ist, eine erste Diagnose gestellt wurde und geprüft wurde, ob der Fall als Ausbildungsfall passt. Patienten, die im Vorfeld in einer Klinik waren, benötigen diese Sprechstunde nicht. So weit, so gut. Könnte man denken. Nocheinmal Rücksprache mit dem Institut zur Absicherung gehalten: Zur rechtlichen Absicherung wäre eine Sprechstunde auch in diesem Fall besser. Danke. Das wäre prinzipiell kein Problem – wenn ich denn jemanden an der Hand hätte, der diese durchführen könnte. Dieser Jemand müsste eine eigene Praxis haben und selbst abrechnen können – alles andere ist auch machbar, aber uuuunglaublich kompliziert und umständlich!  Also: die nächste Mail ans Institut (Problem not solved yet!) .

 

Zweifel

So langam wünscht man sich doch eine feste Kohorte. Jemanden, der gerade an derselben Stelle steht, wie man selbst. Kollegen, die an anderen Instituten sind und ihre Patienten über die Institutsambulanz erhalten, haben damit überhaupt gar kein Problem und können da leider nicht weiter helfen. Und so steht man dann doch ganz alleine da und fühlt sich unglaublich unbeholfen.

Ich hab aufgehört zu zählen, wie viele Mails ich schon an mein Institut geschrieben habe – und ich will nicht wissen, wie viele noch folgen.
Ich hoffe nur, dass bald Routine einkehrt, die anfänglichen Probleme gelöst sind und die Unsicherheit verschwindet.

Und so geht es mir ein bisschen wie der Schnecke auf dem Bild. Ich “hänge” zwischen zwei Blöcken (dem ersten und zweiten Teil der Ausbildung fest) fest, kann aber schon ein bisschen “über den Rand schielen”. Sehe sozusagen “Licht am Horizont” (immerhin steht ja schon ein Patiententermin mit Sprechstunde im Vorfeld!). Aber komplett diese Stufe erklommen habe ich noch nicht – und es wird auch noch einige Anstrengungen und Überwindungen erfodern.

 

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