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Des Therapeuten neue Kleider

Der Frühling ist! Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen und in meinem Büro hat es lauschige 30° ab 11:00 Uhr vormittags. Da stellt sich mir wie jedes Jahr die Frage: Was ziehe ich heute zur Arbeit an?

Zum einem ist das abhängig vom Arbeitskontext: in der Forensik ziehe ich vermutlich andere Dinge an als in der Jugendwohngruppe. Doch gibt es überhaupt einheitliche Vorgaben?

Neutral und unsichtbar

Ein Dozent meinte mal, ein Therapeut müsse absolut neutral sein. Das solle sich wiederum auch in der Kleidung spiegeln: einfarbig, lange Ärmel, kein Ausschnitt, keine Muster, kein Bein und kein Schmuck. Er berichtete, dass er sein Outfit in mehreren Exemplaren besitze, sodass er nie morgens nachdenken müsse. Kann man so machen – muss man aber nicht. Für mich persönlich wäre das absolut unauthentisch. Wie soll ich Patienten etwas von Selbstakzeptanz beibringen, wenn ich meinen Körper nahezu unsichtbar mache? Natürlich müssen es nicht die 3x5cm Glitzerohrringe sein, aber alltagstauglicher Schmuck ist doch ok, oder? Oder mal ein etwas enger geschnittenes Oberteil (also kein unförmiger Sack) … Persönlich habe ich keine Lust auf das klassische Therapeuten-Outfit!

Auf die Länge kommt es – oder?

Wenn es jetzt wieder warm wird, sind die klassischen Jeans leider keine Dauerlösung mehr. Doch darf ich kurze Hosen anziehen? Wie lange muss der Rock sein? Persönlich beantworte ich mir die Frage mit: keine Hotpants und Miniröcke; sonst geht alles. Wenn es über 30° im Büro hat wundert sich kein Patient mehr über mein Outfit. Die Regel “Das Knie muss bedeckt sein” halte ich (bei Männern und bei Frauen) für veraltet. Oder sind eure Patienten besonders abgelenkt durch den Anblick eurer Knie? Ich stelle mir auch häufig die Frage, ob Maxikleider immer durchgehen nach dieser Regel, weil sie ja lang sind. Das Hippie-Kleid würde ich beispielsweise eher daheim lassen.

Schultern und Rücken

Besonders beliebt in der aktuellen Mode sind Rückenausschnitte und freie Schultern. Sexy, nicht? Nein, ich finde nicht. Auch da suche ich immer wieder nach der goldenen Mitte zwischen “ich fühle mich wohl” und “mein Outfit verlangt nicht eigens nach Aufmerksamkeit”. Und das ist verdammt schwer, wie ich finde. Aber in der richtigen Zusammenstellung stört ein hübsches Schleifchen im Rücken oder ein Carmenausschnitt niemanden. Nur die Kombi mit einem knappen Rock wäre eventuell etwas gewagt.

Tatoos

Selber habe ich leider keinen Körperschmuck. Dennoch beschäftigt mich die Frage: Würde ich Ihn als Therapeutin verbergen wollen? Nein, ich denke nicht. Heutzutage stört das doch niemanden mehr und falls mein Patient Vorurteile diesbezüglich hat, dann kann ich ihn so wunderbar konfrontieren. Auch hier kommt es aber stark auf die Dosis an: ein Therapeut mit einem tatoowierten Arm wirkt anders, als einer mit tatoowierten Gesicht. Auch die Art und Qualität der Zeichnung (Totenköpfe, Parolen und politische Symbole) sollte bei der Überlegung eine Rolle spielen. Jemand, der sich ein Tattoo an sehbaren Stellen tätowiert hat, dürfte diese Überlegung aber bereits durchgegangen sein.

Meine Meinung

Meiner Meinung nach geht es darum, den richtigen Stil zu finden zwischen “nicht zu auffällig” und “authentisch” mit einer gesunden Prise “irgendwie muss ich den Tag in diesem Outfit überstehen”. Wenn es also warm wird zwinge ich mich nicht in eine Jeans zu schlüpfen, sondern greife zur Bluse mit Rock oder kurzen Hose. Oder auch mal zum Kleid, welches etwas über dem Knie endet. Und mit einem leichten Blazer sah bisher noch alles seriös aus 😉

Was trägt Ihr denn so im Beurfsalltag? Wo sind eure Grenzen?

Ein kleiner Hinweis zum Schluss

Damit habe ich jetzt meine persönlichen Überlegungen dargestellt. Doch manchmal schreibt der Arbeitgeber die Kleidung auch einfach vor. Und dann sollte man sich vermutlich auch daran halten…

Und egal für welche Kleidung wir uns entscheiden: am Ende müssen wir wissen, ob wir mit den Reaktionen der Umwelt klarkommen – oder nicht.

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