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Psychohygiene – warum eigentlich?

Quelle: pixabay.com

 

Wir haben eine eigene Kategorie mit dem Namen “Psychohygiene” – aber warum ist das eigentlich so wichtig und was ist das überhaupt?

Psychohygiene

Googelt man den Begriff, spuckt Wikipedia einem die folgende Definition aus :”…ist die Lehre vom Schutz und dem Erlangen der psychischen Gesundheit.“. Man könnte sich jetzt fragen “Ist das nicht dasselbe wie Psychologie bzw. Psychotherapie”? Nicht ganz. Psychologie beschäftigt sich allgemein mit dem Verhalten, Wahrnehmungen und Erleben von Menschen und Psychotherapie ist die Behandlung von psychischen Störungen. Dabei gehe es bei Psychohygiene vor allem um

  • Sorge für die Erhaltung der geistigen Gesundheit, Verhütung von Geistes- und Nervenkrankheiten und Defektzuständen
  • Vervollkommnung der Behandlung und Pflege der psychisch Kranken,
  • Aufklärung über die Bedeutung der psychischen Anomalien für die Probleme der Erziehung, des Wirtschaftslebens, der Kriminalität und überhaupt der menschlichen Verhaltensweisen.” (Wikipedia, Psychohygiene, 23.03.2019)

Die ursprüngliche Bedeutung weicht etwas von dem ab, was heute unter PiAs  als “Psychohygiene” verstanden wird.
Für mich steht der Begriff vor allem für “Reinigung der Psyche”. Dass man auch einfach mal sagen kann, was an dem Job nicht so toll ist. Dass man darauf achtet, dass man selbst in diesem Job nicht untergeht und weiterhin eine gute Therapie für  Patienten gestalten kann. Dass man sich auch einfach mal “auskotzen” darf, wenn einen was stört (an Arbeitsbedingungen o.ä.). Also eher der “Schutz meiner psychischen Gesundheit”.

Warum ist das so wichtig?

Den Begriff habe ich zum ersten Mal während meines FSJs kennen gelernt. Da hieß es dann “Du musst immer auf eine gute Psychohygiene achten!“. Mittlerweile verstehe ich auch, warum. In einem anderen Beitrag bin ich bereits darauf eingegangen, wie anstregend unser Beruf ist. Gerade für PiAs. Wir werden nach dem Studium in die PT1 geschickt, müssen meistens direkt Patienten behandeln, die eine schnelle Verbesserung erwarten. Und man selbst steht da und fragt sich “Was tue ich jetzt eigentlich?!“.  Die Seminare am Anfang sind oft keine große Hilfe. Gefühlt hat man im Studium nichts gelernt, was einen auf den ersten Patienten vorbereitet. Glück hatte die, die in Nebenjobs schon Erfahrungen sammeln konnten. Ein Großteil hat das aber nicht. Und so kommen wir alle mehr oder weniger schnell an unsere Grenzen. Wir wollen den Job gut machen, den Patienten gerecht werden – und haben dabei häufig das Gefühl totaler Inkompetenz.  Und das macht was mit uns. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das spurlos an irgendwem vorbeigehen würde.

Und um diesen Zustand “auszuhalten” betreiben wir “Psychohygiene”. Auch wir (angehenden) Therapeuten müssen unsere psychische Gesundheit schützen, die täglich belastet wird. Das sind wir auch den Patienten schuldig. Meiner Meinung nach merken Patienten es sofort, wenn es dem Therapeuten nicht gut geht.  Ich stand letztens komplett übermüdet in einer Gruppe und hab den Faden verloren. Da kam direkt der  Kommentar “Sie sind heute aber auch nicht so wirklich fit, oder?” Nein, war ich nicht. Aber was hätte ich tun sollen? Mich krank melden, nur weil ich nicht gut geschlafen haben?

Neben der psychischen Belastung, die mit dem Job automatisch einher geht, kommt bei PiAs noch die Belastung durch schlechte Arbeitsbedingungen und Wochenendseminare erschwerend hinzu. Ich bin fast jedes zweite Wochenende an meinem Institut. Das heißt, alles zusammen gerechnet, habe ich eine Arbeitszeit von ca. 50h/Woche. Zeit für Haushalt, Freunde, Partys bleibt da kaum. Und das geht irgendwann an die Substanz.

Was also tun?

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