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Ich rette die Welt in 5 Wochen…

…. oder auch nicht.

Quelle: pixabay.com

Das Arbeiten in einer Rehaklinik ist …anders. Der Zeitraum, für den die Patienten bei uns sind, ist klar vorgegeben (3-5 Wochen). Natürlich besteht die Möglichkeit der Verlängerung, wenn indiziert. Das heißt, wir haben im Schnitt 5 Wochen Zeit: 1 Mal Einzeltherapie pro Woche, ca. 2 bis 3 Mal Gruppentermine pro Woche. Und was soll in dieser Zeit passieren? Häufig kommen die Patienten zu uns und haben ihren ersten Therapiekontakt bei uns. Die Reha als erste Anlaufstelle sozusagen.

Die Erwartungen sind dementsprechend hoch. “Ich möchte, dass es mir wieder besser geht” ist ein häufiges Therapieziel. Wenn man das  hinterfragt: mehr Lebensfreude, Antriebslosigkeit verlieren, wieder am Arbeitsleben teilnehmen können. Große Ziele für 5 Wochen. Und dann kommt man als motivierter PiA in die Reha. Man freut sich, alles Gelernte endlich anzuwenden, möchte den Menschen helfen, “die Welt retten”. Mittlerweile erkläre ich meinen Patienten schon im Aufnahmegespräch, dass wir davon wahrscheinlich nicht alles erreichen werden.

Häufig ist das Ergebnis frustrierend. Für Patienten und für PiA. Die Erwartungen des Patienten waren vielleicht zu hoch, was auch vollkommen nachvollziehbar ist. Endlich in einer Klinik, endlich wird mir geholfen, da muss es mir nach 5 Wochen doch wieder besser gehen!  Und dieselben Erwartungen habe ich an mich, als angehende Therapeutin, auch. 5 Wochen – da muss man doch wenigstens ein bisschen was reißen können!

Tja. Aber psychische Erkrankungen lassen sich in 99% der Fälle nicht in 5 Wochen “heilen”. Und häufig verschlechtert sich die Symptomatik. Eine Depression reagiert eben nicht sofort auf ein ABC-Modell oder auf Arbeit am inneren Kind. Es hat einen Grund, warum alleine die Kurzzeittherapie in der Verhaltenstherapie mindestens 20 Stunden hat. 20 Therapiesitzungen – das sind ca. 6 Monate (Ausfälle der Sitzungen mit eingerechnet). Es hat einen Grund, warum eine Standard TP-Therapie ungefähr 80 Sitzungen dauert (ca. 2 Jahre).

Und dennoch bleibt es schwer zu akzeptieren. Für mich persönlich ist das der härteste Part meines Jobs: Zu sehen, dass ich nicht helfen konnte. Dass die Symptomatik noch genauso da ist, wie zu Beginn. Oder der worst case: Dass es den  Patienten bei Entlassung schlechter geht. Klar, manchmal ist das ein Zeichen von “Wir haben am richtigen Thema gearbeitet und das wühlt eben auf!”.  “Die Welt” (des Patienten) habe ich dennoch nicht gerettet.

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