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Hör auf mehr zu wollen!

Na, wie fühlt sich dieser Satz an?
Vermutlich nicht sehr motivierend. Und dennoch bekomme ich ihn sehr oft zu hören. Als gute Therapeutin habe ich gemerkt, dass sich das wiederholt und daher wollte ich mir das Muster einmal anschauen und prüfen, ob die anderen denn Recht haben. Ich bin gespannt auf eure Meinung!


Quelle: pixabay.co

Worauf bezieht sich die Aussage?

Nun – ich bin ein sehr redseliger Mensch und wenn ich ein Problem habe, dann weiß das auch jeder, der zuhört. Aktuell habe ich ein sehr großes Problem: Meine Ausbildung. Ich zahle monatlich mehrere hundert Euro. Dafür bekomme ich ca. jedes zweite Wochenende 20 Stunden Theorieseminare um die Ohren geknallt. Unter der Woche arbeite ich meine PT1 ab. Vollzeit aber mit verminderter Patientenzahl. 40 Kilometer bzw. 1 Stunde Fahrtzeit von meinem Wohnort entfernt. Für circa die Hälfte von TvÖD13. Zusätzlich versuche ich manchmal etwas zu lernen oder zu wiederholen. Und immer versuche ich mein Bestes zu geben, meine Arbeit zu verbessern und die Welt voranzutreiben.

Und das ist der Punkt, an dem die große Frage kommt: Warum willst du mehr Barbara?

Die Aussagen

– Immerhin verdienst du Geld, andere haben deutlich weniger.
– Es ist der Start ins Berufsleben – da braucht man nichts besseres zu erwarten.
– Praktische Tätigkeit bedeutet Praktikum. Praktikum bedeutet Ausbeutung.
– Du kannst froh sein, dass du überhaupt etwas hast.
– Sei doch dankbar, dass du etwas lernen darfst.
– In deinem Alter hatten wir es nicht besser. Das ist normal.
– Du bist zu verwöhnt und erwartest viel zu viel.
– etc.
– Meine liebste Aussage: Du hast doch ein Gehalt, dafür musst du eben auch was leisten.

Das kommt von allen Seiten: Eltern, Umfeld, Kommilitonen, Kollegen, etc.

Wenn es so viele sagen, dann muss es doch wahr sein?

Nein! Das sehe ich anders. Nur weil andere es noch schlechter haben, muss PiA nicht alles hinnehmen. Nur weil es Teil der Ausbildung ist, muss PiA nicht finanziell ausgebeutet werden. Immerhin haben wir zwei abgeschlossene universitäre Abschlüsse. Nur weil es Teil der Ausbildung ist, muss PiA keine schlechten Arbeitsbedingungen á la mangelnde Betreuung etc. hinnehmen! Nur weil PiA gerade erst beginnt, muss PiA nicht ganz unten anfangen! Sonst hätte PiA sich den bisherigen Bildungsweg auch sparen können. Und nur weil andere es nicht anders erlebt haben, heißt es nicht, dass nichts geändert werden sollte! Nach dem Prinzip würde sich nämlich nie etwas ändern in unserer Welt.

Man darf Träume haben – und man darf diese auch benennen und versuchen sie zu erreichen. Auch eine PiA darf für sich und ihre Kollegen einstehen und etwas einfordern. Das bedeutet ja nicht, dass sie alles erreichen wird. Aber selbst eine kleine Verbesserung oder zumindest der Austausch ist viel wert und stellt einen Grundstein dar, auf dem zukünftig aufgebaut werden kann.

Mein Fazit

Eine PiA darf mehr fordern – und es ist eine Schande, dass sie dabei nicht unterstützt wird.

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