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FAQ

Der Weg zum Psychotherapeuten ist lang und beschwerlich. Zieht man alles in der gesetzlichen „Mindestdauer“ durch, braucht man aktuell 8 Jahre. Die folgenden Informationen beziehen sich daher auf 5 Jahre Studium (Bachelor- und Master) sowie die Therapeutenausbildung. Während zum Thema Studium die Informationen ziemlich leicht zu finden und eindeutig sind, wird es bei der Ausbildung wesentlich schwieriger. Es gibt zwar bundesweite Vorgaben, aber vieles ist Ländersache – und vieles abhängig vom jeweiligen Ausbildungsinstitut.Dieser Beitrag ist daher der Versuch, einen groben Überblick über die wichtigsten Fragen zu bekommen, die man sich automatisch stellt (oder stellen sollte) und sie zu beantworten – oder zumindest an die Stellen zu verweisen, die sie beantworten könnten.

Quelle: pixabay.com

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Wie weit im Voraus sollte man sich um einen Ausbildungsplatz bewerben?

Häufige Frage, auf die es aber leider keine klare Antwort gibt. Wie weit im Voraus ihr euch bewerben solltet ist abhängig von zwei Dingen:

  • Wollt ihre direkt nach Studienende mit der Ausbildung beginnen?
  • An welchem Institut möchtet ihr die Ausbildung machen?

Ich wollte meine Ausbildung direkt nach dem Master beginnen und habe mich gut 1 Jahr im Vorfeld beworben, was auch nötig war. Die Plätze waren sehr schnell vergeben. Zudem würde ich im Nachhinein nie wieder direkt nach dem Master mit der Ausbildung beginnen. Das Studium war anstregend- die Ausbildung wird es umso mehr. Sich dazwischen eine kleine Pause zu gönnen halte ich für sinnvoll und nützlich.
Das heißt, bevor man sich überhaupt fragt „Wann bewerbe ich mich?“ sollte ersteinmal feststehen: An welches Institut möchte ich gehen. Und damit kommen wir schon zum nächsten Thema: die Institutswahl.

Institutswahl


Die Wahl des Instituts ist (meiner Meinung nach) die wichtigste in der ganzen Therapeutenausbildung. Es gibt nicht das „richtige“ und das „falsche“ Institut – es muss passen vom Gefühl her. Die wichtigsten Fragen, die ihr euch bei der Institutswahl stellen solltet sind:

Wo? Bin ich deutschlandweit flexibel? Bin ich an einen Ort gebunden? Bin ich mobil genug eventuell längere Pendelstrecken auf mich zu nehmen? Auto? Zug? Habe ich die Zeit dafür? Habe ich die Zeit auch noch, wenn die PT1 beginnt?

Welches? Welches Therapieverfahren wollt ihr „erlernen“? Leider wird an deutschen Unis häufig die TP und die PA „vergessen“ und viel VT gelernt. Ihr solltet euch vor eurer Entscheidung dennoch über alle Verfahren einen „fairen“ Überblick verschaffen. Psychoanalyse ist mehr als Freud und Sex. VT ist mehr als Konditionierun. TP ist mehr als die kurze Version der PA. Sich dazu Bücher auszuleihen, sich zu informieren kann nicht schaden. Einige Institute bieten auch die verklammerte PA/TP Ausbildung an oder bieten zusätzliche Fachkunden in dem jeweiligen Gebiet an.

Was genau will ich? KJP? PP? VT? TP? PA? Trauma? Systemische Therapie? VT der dritten Welle? Integrative Institute? Humanistische Ansätze? Gruppentherapie?

Es gibt viele viele Institute in Deutschland, die alle die unterschiedlichsten Dinge in den unterschiedlichsten Formen anbieten. Ich hab damals ein Institut gesucht, in dem ich möglichst problemlos die KJP-Fachkunde an die PP-Approbation „dranhängen“ kann. Eine gute Orientierungshilfe dabei bietet diese Facebookgruppe: https://www.facebook.com/groups/PsychotherapeutenOrientierung/

Wenn ihr für euch klar habt, was ihr wollt, könnt ihr dort nach Instituten fragen, die euren Wünschen und Anforderungen entsprechen (und euch direkt Erfahrungsberichte einholen). So hab ich ich mein Institut gefunden.
Sobald ihr Institute in die „engere Auswahl“ gepackt habt (man sollte sich nie auf nur 1 Institut fokussieren), solltet ihr euch folgende Fragen stellen:

  • Sind die Kosten transparent dargestellt? Bei meinem „Wunschinstut“ waren die Kosten direkt alle auf der Homepage offen zugänglich. Bei der „Zweitwahl“ habe ich die Informationsunterlagen angefordert, da auf der Homepage nichts stand, aber auch die Unterlagen haben keine Hinweise auf die Kosten gegeben. Die Ausbildung ist enorm teuer (ca. 30.000-60.000€, je nach Verfahren) und das schlimmste sind versteckte Kosten, die man erst nach der Hälfte der Ausbildung sieht.
  • Wie sind die Seminare organisiert? Passt das zu mir und meiner Lebensplanung? Ich kenne viele, die immer in denselben Gruppen sind und die Seminarzeiten werden vom Institut vorgegeben – wie in der Schule. Persönlich könnte ich damit nichts anfangen. Bei uns kann man sich aussuchen, welches Seminar man wann machen möchte. Daher sitzt man fast nie mit denselben Leuten zusammen (das kann auch ein Nachteil sein), aber ich könnte aufgrund meiner Wohngegend nicht 2x unter der Woche nach der Arbeit in die nächstgrößere Stadt fahren (zumindest nicht ohne erheblichen Verlust der Lebensqualität).
  • Gibt es Kooperationskliniken in meiner Nähe? Wie gut zahlen diese Kliniken? Können schnell neue Kooperationsverträge geschlossen werden?
  • Gibt es regelmäßige Infoveranstaltungen des Instituts? Bei einigen Instituten kann man sogar „Schnupperseminare“ belegen. Finde ich sehr empfehlenswert!
  • Wie „rigide“ ist mein Institut? Will ich lieber ein eher offenes Institut, dass auch VT-Verfahren der dritten Welle etc. gut darstellt? Ein TP/PA-Institut, das auch mal über den Tellerrand blickt? Oder lieber klassische VT und klassische PA?

Kliniksuche


Wenn ihr euch für ein Institut entschieden habt, kommt die Kliniksuche. Die Klinik sucht ihr euch am besten von der Kooperationsliste des Instituts. Es gibt auch Institute, die in eine Klinik eingegliedert sind, da wird die Auswahl dann „kleiner“. Wichtig hier:

  • Das PT1 ist angedacht auf 1200 Stunden. In NRW muss die PT1 zusätzlich mindestens 1 Jahre dauern – in Bayern kann man wohl nach den 1200 Stunden aufhören, auch, wenn das Jahr noch nicht voll ist. Wie genau das geregelt ist, erfragt ihr am besten bei euren Institut.
  • Wie wird gezahlt? In den größeren Städten ist die Bezahlung oft schlecht, in ländlichen Gegenden häufig gut. Das PT1 dauert wie gesagt ca. 1 Jahr. Lieber ein 5-minütiger Arbeitsweg in der Großstadt oder kann man eine gewisse „Pendelzeit“ auf sich nehmen? Was gibt eure aktuelle Lebenssituation her? Wie mobil seid ihr? Davon hängt ab, ob ihr euch (aktuell) noch schlecht zahlenden Kliniken derzeit noch unterwerfen „müsst“ oder nicht. Ob man schlecht bezahlte Stellen annehmen sollte, ist sehr umstritten. Viele sagen „nein“ – die Frage ist, kriegt man dann überhaupt eine Stelle? Viele sagen „ja, es ist ja nur 1 Jahr“. Es lohnt sich zumindest, das Gehalt direkt anzusprechen und evtl. andere Vorteile (4-Tage-Woche, frei für die Seminare etc) einzuhandeln.
  • Auch hier sind Erfahrungsberichte das A&O. Viele Kliniken erzählen in ihren Bewerbungsgesprächen leider sehr viel – stimmen tut dann nur die Hälfte… Wie sieht es aus mit Supervision? Wie viele Patienten habt ihr im Schnitt? Wie ist die Hierarchie? Wie werdet ihr als PiAs dort behandelt?

Welche Voraussetzungen benötige ich?


Diese wichtige Frage so weit unten? Ja! Denn das ist abhängig von den oben genannten Faktoren! Der Psychologische Psychotherapeut (PP) benötigt andere Voraussetzungen als der Kinder-und-Jugendlichen Psychotherapeut. Für ersteres benötigt man einen Master in Psychologie. Viele Bundesländer erkennen mittlerweile nur noch Master in Klinischer Psychologie an und Master wie „Rehabilitationspsychologie“ nicht mehr. Da informiert ihr euch entweder bei den Landesprüfungsämtern des jeweiligen Landes, in dem ihr die Ausbildung machen möchtet oder beim Institut selbst, ob die Voraussetzungen, die ihr habt (bspw. Anzahl an Credits in Klinischer Psychologie) ausreichend sind. Ihr werdet da leider NIE eine 100% konkrete Antwort bekommen, weil es immer heißen wird „Das wird dann geprüft, sobald die Ausbildung beginnt“, d.h.: Sobald ihr den Ausbildungsvertrag unterschrieben habt (ja-so früh!). Aber Wesentliches können die euch auf jeden Fall mitteilen.
Für die KJP-Ausbildung wird es dann meist noch konfuser: Da „reicht“ auch ein Master in Sozialer Arbeit, Sozialpädagogik, Pädagogik – abhängig wieder vom Bundesland. Auch hier am besten einfach nachfragen! Die Mitarbeiter bei den LPAs und den Instituten sind meist ziemlich nett =) (v.a. die an den Instituten – die wollen schließlich euer Geld).
Wenn man einen Abschluss aus dem Ausland hat, wirds nochmal komplizierter: Österreich ist meist nirgends ein Problem, Niederlande wird schon schwieriger. Aktuell geht das noch in NRW (wahrscheinlich aufgrund der geographischen Nähe), in anderen Bundesländern sieht das wieder ganz anders aus..
Auch hier: Fragt die LPAs und die Institute!

Stand: März 2019

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